Stundung
Vereinbarung, mit der ein Gläubiger die Fälligkeit einer Forderung zeitlich nach hinten verschiebt, ohne sie zu erlassen.
Von der Schulden-Pilot.de Redaktion
Zuletzt geprüft: 5. September 2026
Kurz erklärt
Eine Stundung verschiebt den Zeitpunkt, zu dem Sie eine Forderung zahlen müssen, ohne die Forderung selbst zu verringern. Für Selbständige ist sie das wichtigste Werkzeug, um eine kurzfristige Liquiditätslücke zu überbrücken, bevor Säumniszuschläge auflaufen oder die Vollstreckung anläuft.
Bei einer Stundung bleibt die Forderung in voller Höhe bestehen, fällig wird sie aber erst später. Für Steuerforderungen regelt § 222 der Abgabenordnung (AO), unter welchen Voraussetzungen das Finanzamt stunden darf. Bei privaten Gläubigern wie Lieferanten, Vermietern oder Dienstleistern ist die Stundung frei verhandelbar und wird meist formlos vereinbart.
Voraussetzung im Steuerrecht ist, dass die sofortige Einziehung eine erhebliche Härte bedeutet und der Anspruch durch die Stundung nicht gefährdet wird. Erhebliche Härte heißt in der Praxis: Sie könnten zwar grundsätzlich zahlen, aber nur um den Preis, dass der Betrieb Schaden nimmt. Der Anspruch gilt als nicht gefährdet, wenn absehbar ist, woher das Geld später kommt.
Stundungszinsen fallen nach § 234 AO an. Sie sind fast immer günstiger als Säumniszuschläge, die ohne Antrag automatisch entstehen. Genau deshalb lohnt der Antrag auch dann, wenn Sie nur wenige Wochen Aufschub brauchen.
Ein guter Stundungsantrag benennt drei Dinge: den konkreten Betrag mit Steuernummer, den Grund für die Zahlungsschwierigkeit und einen realistischen Termin oder Ratenplan. Vage Formulierungen wie sobald es wieder besser läuft führen regelmäßig zur Ablehnung.
Häufige Fragen zu Stundung
Wie lange kann eine Forderung gestundet werden?
Eine feste gesetzliche Höchstdauer gibt es nicht. In der Praxis bewilligen Finanzämter zunächst wenige Wochen bis etwa sechs Monate, oft verbunden mit einem Ratenplan. Entscheidend ist, dass Ihr Vorschlag nachvollziehbar zeigt, wann und woraus Sie zahlen. Wer eine kürzere, sicher einhaltbare Frist vorschlägt, bekommt eher eine Zusage als jemand, der ein Jahr ohne Begründung verlangt.
Kostet eine Stundung Geld?
Ja. Für gestundete Steuerforderungen werden nach § 234 AO Stundungszinsen berechnet. In begründeten Fällen kann darauf verzichtet werden, das ist aber die Ausnahme. Wichtig für den Vergleich: Ohne Stundung entstehen Säumniszuschläge, die in aller Regel deutlich teurer sind. Rechnerisch ist die beantragte Stundung damit fast immer die günstigere Variante.
Was passiert, wenn die Stundung abgelehnt wird?
Eine Ablehnung ist kein Endpunkt. Sie können den Antrag mit besseren Unterlagen erneut stellen, etwa mit aktueller betriebswirtschaftlicher Auswertung, offenen Ausgangsrechnungen und einem konkreten Ratenvorschlag. Parallel kommt ein Antrag auf Vollstreckungsaufschub in Betracht, um Zeit zu gewinnen. Prüfen Sie außerdem, ob die Festsetzung selbst zu hoch ist und herabgesetzt werden kann.
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