Kontopfändung
Maßnahme der Zwangsvollstreckung, bei der ein Gläubiger den Zugriff auf Ihr Bankguthaben erwirkt.
Von der Schulden-Pilot.de Redaktion
Zuletzt geprüft: 5. September 2026
Kurz erklärt
Bei einer Kontopfändung greift ein Gläubiger unmittelbar auf Ihr Bankguthaben zu. Für Selbständige ist das der Moment, in dem der laufende Betrieb stillsteht, weil Miete, Löhne und Lieferantenrechnungen nicht mehr abgehen. Schnelles Handeln entscheidet hier über den Fortbestand des Geschäfts.
Grundlage ist entweder ein Pfändungs- und Überweisungsbeschluss des Vollstreckungsgerichts oder, bei Finanzamt und Sozialversicherungsträgern, eine eigene Pfändungsverfügung. Für Steuerforderungen ergibt sich die Befugnis aus § 309 AO in Verbindung mit § 249 AO. Die Bank wird dadurch verpflichtet, Guthaben nicht mehr an Sie, sondern an den Gläubiger auszuzahlen.
Zwischen Zustellung bei der Bank und Auszahlung an den Gläubiger liegt eine gesetzliche Wartefrist. Dieses Zeitfenster ist Ihre wichtigste Ressource. In dieser Zeit lässt sich das Konto in ein Pfändungsschutzkonto umwandeln und der geschützte Betrag sichern.
Parallel sollte immer die Forderung selbst geprüft werden. Beruht sie auf einer Schätzung, ist eine Herabsetzung möglich. Ist die Forderung dem Grunde nach berechtigt, hilft ein Antrag auf Vollstreckungsaufschub nach § 258 AO, verbunden mit einem konkreten Zahlungsvorschlag.
Ein häufiger Fehler ist es, ein zweites Konto bei einer anderen Bank zu eröffnen und den Zahlungsverkehr dorthin zu verlagern. Das löst das Problem nicht, sondern verschärft es, weil der Gläubiger die Pfändung ausweiten kann und Vertrauen verloren geht.
Häufige Fragen zu Kontopfändung
Wie erfahre ich von einer Kontopfändung?
Meist zuerst durch die Bank, die Sie über die Zustellung informiert und das Konto sperrt, seltener zeitgleich durch den Gläubiger. Prüfen Sie sofort, wer pfändet, für welche Forderung und in welcher Höhe. Diese drei Angaben entscheiden über den nächsten Schritt, weil Finanzamt, Krankenkasse und private Gläubiger unterschiedliche Wege zur Aufhebung vorsehen.
Kann eine Kontopfändung wieder aufgehoben werden?
Ja. Der Gläubiger kann die Pfändung jederzeit freigeben, meist gegen eine verbindliche Zahlungsvereinbarung. Bei Steuerforderungen kommt zusätzlich der Vollstreckungsaufschub in Betracht. Ist die zugrunde liegende Festsetzung fehlerhaft, führt der Einspruch mit Antrag auf Aussetzung der Vollziehung ebenfalls dazu, dass die Vollstreckung ruht.
Was passiert mit Zahlungseingängen von Kunden?
Eingehende Zahlungen erhöhen das gepfändete Guthaben und werden nach Ablauf der Frist an den Gläubiger ausgekehrt, soweit sie über dem geschützten Betrag liegen. Ohne Pfändungsschutzkonto fließt praktisch der gesamte Umsatz ab. Deshalb ist die Umwandlung in ein P-Konto und die Erhöhung des Freibetrags der erste Schritt, nicht der letzte.
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Verwandte Begriffe
Rechtsgrundlagen und Quellen
- § 309 AO Pfändung einer Geldforderung
- § 850k ZPO Pfändungsschutzkonto (P-Konto)
- § 899 ZPO Erhöhung des pfändungsfreien Betrags auf dem P-Konto
Die Links führen zu den amtlichen Gesetzestexten. Sie ersetzen keine Prüfung Ihres Einzelfalls.
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